Smashed to Pieces Sticker © 2018

Jeden Tag gehen wir am Flakturm im Esterhazypark vorbei und lesen den Schriftzug ‚Smashed to Pieces (In the Still of the Night)‘ von Lawrence Weiner, welcher bereits seit 1991 das Wiener Stadtbild prägt.
Immer angenehm hat sich das ehrlich gesagt nicht angefühlt. Aber muss sich Kunst im öffentlichen Raum immer gut anfühlen? Der Künstler selbst hat sich bei der Wahl seines Textes übrigens weder auf die Pogromnacht noch auf die Luftangriffe bezogen, sondern lediglich auf das Geräusch einer zerschellenden Flasche mitten in der Nacht.

Jetzt soll die Schrift, die nur als temporäres Kunstwerk im Rahmen der Wiener Festwochen geplant war, laut Bauplänen des Haus des Meeres aus dem Stadtbild weichen. Warum nicht – es ist auch gut, wenn sich etwas verändern darf. Es ist schließlich auch das Haus des Meeres, das dieses dunkle Kapitel der Geschichte so bunt mit einem Aqua Zoo und einem Outdoor-Kletterpark bespielt.
Inzwischen hat man sich nicht nur an das Kunstwerk gewöhnt, sondern viele WienerInnen sehen in ihm ein Mahnmal zum Gedenken an die vielen Opfer des Nationalsozialismus. Wir kamen nicht umhin uns die Frage zu stellen, wann und vor allem warum ein Kunstwerk ausgedient und an Aktualität verloren hat?

Wir sind schon jetzt traurig und bereiten uns mental auf die Entfernung des Kunstwerkes von Lawrence Weiner vor. Im Gedenken daran haben wir uns einen kleinen appropriation art Streich ausgedacht. Wir wollen mit 500 Stickern mit demselben Schriftbild (samt perspektivischer Verzerrung) einladen die Stadt zu bestücken und auf diese Weise der Kunst am Flakturm die letzte Ehre erweisen. Wo und an welcher Stelle, in welchem Kontext oder zu welcher Tageszeit, ist jedem selbst überlassen. Wir freuen uns über zahlreiche #SmashedToPieces Sticker an den unterschiedlichsten Orten!

Ein Projekt von ‘the less you know the better‘ (Jessica Blank & Gerald Zahn)
e-mail: more@the-less-you-know-the-better.tk